| Geschichte der evang. Kirche |
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Die Geschichte der evangelischen Kirche in Knielingen
Die erste Erwähnung „Cnudlingas“ im Lorscher Codex im Jahr 786 weist auf die über 1.200-jährige Geschichte des Ortes hin. Alte Urkunden bezeugen, daß der Knielingen schon sehr früh eine ansehnliche Gemeinde war. 1256 wird bekundet, daß ein „Werherus decanus de Knudelingen“ hier als Seelsorger gewirkt hat. Das Datum der Grundsteinlegung der gotischen Kirche ist auf zwei Eckquadern des Turmes vermerkt: Anno domini 1480 ist durch den Heinrich Riesen von Sulzbach gelegt worden an diesen Bau der erste Stein. Sie war dem heiligen Kreuz gewidmet. Im Innern der Kirche gibt vor allem der Chor noch Zeugnis von jener Epoche. Mit Maßwerkfenstern, Strebepfeilern und Netzgewölbe stellt er das älteste Knielinger Kulturdenkmal dar. Die „Knuglinger Kirche“ ging 1556 in evangelischen Besitz über. Das Wappen des Erbauers, des Markgrafen Christof I. hat sich beim Hauptportal und über der Sakristei erhalten. Kunstdenkmäler aus dieser Zeit, ein „Vesperbild“ oder „Anna Selbdritt“ aus Knielingen befinden sich im Karlsruher Landesmuseum.
Einer der ersten evangelische Pfarrer war Michel Dieterlin. Er hat der Gemeinde 44 Jahre als Seelsorger gedient und war am 7. April 1625 gestorben. Man begrub ihn neben dem Altar. Seinen Grabstein brachte man 1869 in die Sakristei, wo er sich noch heute befindet.
Im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 wurde Knielingen, wie beinahe die ganze Kurpfalz ein Opfer der Flammen. Auch alle festen Steingebäude,wie das Rathaus und die Kirche brannten vollständig aus. Nur Chor und Turm, in dem die Bauern ihr Heu und Stroh untergebracht hatten, blieben erhalten.
Im gleichen Jahr fielen in Durlach auch unsere Kirchenbücher dem Feuer zum Opfer, die man sicherheitshalber dort untergebracht hatte. Der Gottesdienst mußte im Chor abgehalten werden, bis Markgraf Friedrich Magnus 1701 den Wiederaufbau des Gotteshauses anordnete. Chor und Turm wurden durch ein Langhaus verbunden. Im Sommer 1702 konnte das neue Gotteshaus eingeweiht werden, das dann bis 1858 unversehrt stand, dann aber zu klein wurde. Das Langhaus erneuert man so, wie wir es heute sehen. Chor und Turm blieben erhalten. Am 3. Juni 1860 konnte nach kurzer Umbauzeit die festliche Einweihung mit einen glanzvollen Feier vorgenommen werden.
Auch die dort eingelassenen Grabsteine führen uns weit in die Vergangenheit unseres Dorfes zurück: So berichtet ein kunstvoll ausgeführter Grabstein über den Tod zweier Kinder des Edlen von Zanth kurz nach der Geburt der Zwillinge im Jahr1588. Über der plastischen Dar- stellung der Kinder erscheinen die Wappen der Eltern. Daneben steht das monumentale Grabmal des ersten uns näher bekannten Schultheißen von Knielingen, Bernhard Metz, der im 16. Jahrhundert ein hohes Ansehen genossen haben muß, wie die Inschrift auf dem Segmentbogen besagt:
„Anno 1581 Dez 8 February starb der ernhaft. und firnem Barnhart Metez im Alter 64 Jahr in. dem er. der Hochlöblichen Marcgrafschaft Bade. in die 38 Jar trewlich gedienet und disse Jar den Flecken Knielinge. mit Tragung des Schulthaisse. Ambt wol regiert. Dem Gott Genad. Der Schultheiß muß bei der Planung des Landgrabens von Durlach nach Knielingen eine wichtige Rolle gespielt haben, da er nach urkundlichen Nachrichten seit 1561 vom damaligen Markgrafen Karl II. von Baden als Gutachter für dieses Projekt eingesetzt wurde. 1565 sorgte er für einen befriedigenden Vertragsabschluß zwischen Knielingen, Daxlanden und Bulach bei einem Streit um die Fischreirechte am Rhein. Dies war besonders schwierig, da Daxlanden und Bulach seit der Teilung der Markgrafschaft von 1535 in einen evangelischen und einen katho-lischen Teil zu Baden-Baden gehörten. Deshalb mußten auch beide Mark-grafen, Karl II. von Baden-Durlach und Philibert von Baden-Baden, bei der Einigung mitwirken.
Die Wandmalereien über dem Grabstein von Metz wurden erst 1956 freigelegt und blieben daher über 200 Jahre lang den Blicken der Kirchenbesucher verborgen. Von dem Knielinger Metzgermeister Johann Martin Schlindwein im Jahre 1724 gestiftet, knüpft die in keiner Beziehung zum Raum stehende Bilderfolge biblischer Szenen an spätmittelalterliche Tradition an und befindet sich im Gegensatz zur illusionistischen Malerei jener Zeit in Barockkirchen. So wurden diese Malereien wohl als unzeitgemäß bald wieder übertüncht. An der gegenüberliegenden Chorwand ist ein Grabmal zu sehen, das fast aus der gleichen Zeit wie die Wandmalereien stammt. Es ist der 1722 hier verstorbenen „Anna Regina, eine geborene Kolbin, des Hoch-ehrwürdigen Herrn Mattaei Kummers, Kirchenrat und Superintendent zu Pforzheim hinterlassene Witwe" gewidmet. Im linken Eingangsvorraum begegnet uns noch der Grabstein der Ursula Horneck, die im Jahr 1601 als „edel und tugendsame Frau“ hier seliglich in Christo entschlafen ist. An der Außenwand zum Chor ist der Wappenstein eines Georg Besold von 1542 eingelassen. Das Wappen mit dem Greifvogel ist die einzige Hinterlassenschaft des in Knielingen nur im 16. Jahrhundert auftauchenden, rätselhaften Geschlechts des Besold. All diese Verstorbenen müssen Wohltäter der Knielinger Kirche gewesen sein, sonst hätten sie hier kaum an so exponierter Stelle ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Rechts hinter der Kirche, unweit vom Chor findet sich auch der Grabstein des langjährigen Pfarrers Johannes Reinmuth (gestorben 1907) nach dem man in Knielingen für seine Verdienste um die Fürsorge für Arme und Kinder eine Straße benannte. Die im 1. Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken konnten 1922 zwar durch neue ersetzt werden. Die drei größeren mußten 1942 wieder abgeliefert werden. Dekan Kobe schildert in der kleinen Schrift „Die letzte Glocke“ die schweren Kriegsmonate von 1944/45. 1951 wurden 4 neue Gußstahlglocken angeschafft: die Gebetsglocke (110 kg), die Friedensglocke (308 kg), die Totenglocke (455 kg) und die Glaubensglocke (782 kg).
Die Heintz-Orgel wurde im Jahr 1994 mit 2.468 Pfeifen erbaut.
Das Gemeindezentrum wurde als Sammelpunkt der Ostpfarrei am 28. Sept. 1980 durch Dekan Mack und Pfarrer Zilly eingeweiht.
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| Aktualisiert am Mittwoch, 23. April 2008 um 17:58 |


